Mag. Sonja Knefel | Klinische & Gesundheitspsychologin Wien
Mag. Sonja Knefel | Psychologische Begleitung mit Klarheit und Menschlichkeit.
Erinnern Sie sich noch an die Magie des Anfangs? An Unbeschwertheit, Wertschätzung, Neugierde, Leidenschaft und das Gefühl, vom anderen wirklich gesehen und verstanden zu werden? Mit der Zeit verändert sich eine Beziehung. Die aufregende erste Verliebtheitsphase weicht dem gemeinsamen Alltag – und damit treffen unterschiedliche Bedürfnisse, Erwartungen und Vorstellungen immer deutlicher aufeinander.
Plötzlich wird darüber gestritten, wer im Haushalt mehr übernimmt, wie mit Geld umgegangen wird, warum das Smartphone wichtiger erscheint als gemeinsame Zeit oder weshalb Nähe und Sexualität nicht mehr so selbstverständlich sind. Auch Eifersucht oder der Einfluss von Familie und Freunden können zu wiederkehrenden Konflikten führen.
Oft geht es dabei jedoch um mehr als den eigentlichen Anlass des Streits. Hinter Vorwürfen, Enttäuschung oder Rückzug können unerfüllte Bedürfnisse und alte Beziehungserfahrungen stehen. Paartherapie kann dabei unterstützen, diese wiederkehrenden Dynamiken sichtbar zu machen, ihre Ursachen besser zu verstehen und neue Wege im Umgang miteinander zu entwickeln.
Manchmal fühlen sich zwei Menschen nicht nur durch körperliche Anziehung, Humor und gemeinsame Interessen miteinander verbunden. Auch frühere Erfahrungen, Verletzungen und vertraute Beziehungsmuster können unbewusst beeinflussen, zu wem wir uns hingezogen fühlen und wie wir innerhalb einer Partnerschaft reagieren.
Was wir kennen, vermittelt uns häufig ein Gefühl von Vertrautheit – selbst dann, wenn die damit verbundenen Muster schmerzhaft sind. Dadurch können Erfahrungen aus früheren Beziehungen oder aus der eigenen Kindheit innerhalb einer Partnerschaft erneut aktiviert werden. Das Gefühl besonderer Nähe oder „Seelenverwandtschaft“ kann sich zunächst sehr intensiv anfühlen, während unter der Oberfläche alte Ängste und Verletzungen mitschwingen.
In belastenden Situationen treten dann häufig erlernte Schutzmechanismen auf: Rückzug, Klammern, Erstarren, Unterordnung oder Angriff. Für den Partner ist die Intensität dieser Reaktion oftmals nur schwer nachvollziehbar – Missverständnisse und Konflikte entstehen.
Paartherapie kann helfen, einen Blick hinter diese Dynamiken zu werfen. Gemeinsam werden Zusammenhänge zur eigenen Biografie sichtbar gemacht, Trigger besser verstanden und wiederkehrende Muster erkannt. So entsteht die Möglichkeit, nicht automatisch nach alten Erfahrungen zu handeln, sondern die Beziehung bewusster und neu zu gestalten.
Ein Blick, ein bestimmter Tonfall oder ein scheinbar beiläufiger Satz kann genügen, um alte Gefühle auszulösen. Der eine zieht sich zurück, um sich zu schützen – der andere erlebt genau diesen Rückzug als Ablehnung. Schweigen, Rechtfertigungen, Vorwürfe oder Sätze wie „Du machst immer …“ und „Du machst nie …“ verstärken die Situation zusätzlich.
So entsteht eine Abwärtsspirale, in der sich beide zunehmend unverstanden und allein fühlen. In der Paartherapie geht es darum, diese Dynamik gemeinsam zu erkennen, die dahinterliegenden Bedürfnisse und Trigger besser zu verstehen und neue Möglichkeiten im Umgang miteinander zu entwickeln.
Ziel ist nicht, Schuldige zu finden, sondern wieder miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.
