Angststörungen

Angststörungen

Entstehungs-bedingungen und Ursachen

Biologische und genetische Faktoren:
Eine genetische Veranlagung spielt eine wesentliche Rolle. Eine familiäre Häufung ist oft nachweisbar. Zudem können neurobiologische Veränderungen vorliegen: Eine Dysbalance von Neurotransmittern wie Serotonin, Noradrenalin oder GABA, die für die Reizverarbeitung und Entspannung zuständig sind. Weiters belegen Studien, dass bei Betroffenen das Angstzentrum (die Amygdala) überaktiv ist, während der präfrontale Kortex, der für die Kontrolle und rationale Bewertung zuständig ist, diese Überreaktion nicht ausreichend hemmen kann.

Psychologische und Lerntheoretische Ursachen:
Nach der Lerntheorie entstehen Ängste oftmals durch negative Vorerfahrungen, welche dazu führen können, dass das Gehirn harmlose Auslöser (z.B. eine bestimmte Situation) als Bedrohung abspeichert. Zudem können unsichere Bindungserfahrungen in der Kindheit (z.B. durch unvorhersehbares oder überbehütetes Verhalten der Eltern) das Urvertrauen schwächen und damit die Anfälligkeit für Angststörungen erhöhen.

Belastende Lebensereignisse und chronischer Stress:
Dauerhafte Überbelastung (z.B. im Beruf, oder private Krisen), sowie traumatische Erlebnisse, wie körperliche oder seelische Gewalt oder schwerer Verlust, können das körpereigene Alarmsystem aus dem Gleichgewicht bringen. Diese Faktoren stellen oft eine Überforderung für die Bewältigungsmechanismen des Betroffenen dar.

Angststörungen

Das Nervensystem und die Angst

Eine Angststörung entsteht selten „einfach so“. Häufig entwickelt sie sich aus belastenden Erfahrungen oder anhaltendem Stress, den ein Mensch über längere Zeit bewältigen musste. Der Körper lernt dabei, ständig wachsam zu sein – selbst wenn keine unmittelbare Gefahr mehr besteht.

Viele Betroffene wirken nach außen stark und belastbar. Innerlich erleben sie jedoch Anspannung, Sorgen oder Panik und fragen sich: „Warum habe ich gerade solche Angst? Es passiert doch gar nichts.“

Befindet sich das Nervensystem in erhöhter Alarmbereitschaft, können bereits Gedanken, Geräusche oder Erinnerungen starke Angstreaktionen auslösen. Der Körper reagiert, als wäre eine tatsächliche Bedrohung vorhanden – obwohl der Verstand weiß: „Eigentlich ist alles in Ordnung.“

Dabei wird das körpereigene Alarmsystem aktiviert: Herzrasen, Unruhe oder Zittern können auftreten. Diese Reaktionen sind grundsätzlich wichtige Schutzmechanismen. Bei einer Angststörung reagiert dieses System jedoch überempfindlich und schlägt auch ohne reale Gefahr Alarm.

Angst ist kein Zeichen von Schwäche. Sie kann ein Hinweis darauf sein, dass Körper und Psyche über längere Zeit zu viel tragen mussten.

Angststörungen

Sieben Indizien für gespeicherte Angst

Was bedeutet „gespeicherte Angst“?

Gespeicherte Angst entsteht, wenn Sie sich in einer bedrohlichen Situation emotional überfordert gefühlt haben- ohne Schutz, ohne Lösung. Wenn Sie Gefühle unterdrücken mussten, übernimmt Ihr Körper den Schutz. Doch was ihr Körper damals nicht verändern konnte, zeigt sich heute oft als körperliches Symptom.

  • Flache Atmung & Engefühl
    Wenn ihr Körper in einem Angstmodus ist, wird der Atem flach und kurz.
    Angst zieht den Brustkorb zusammen, als würden Sie sich unbewusst klein machen.
  • Beschwerden im Magen-Darm-Trakt
    Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse kommunizieren beide Organe intensiv miteinander. Das kann Krämpfe, Übelkeit, Durchfall oder Blähungen zur Folge haben.
  • Inneres Zittern oder Muskelzittern
    Zittern, Zucken oder Muskelanspannungen sind Reaktionen des vegetativen Nervensystems und ein Zeichen, dass der Körper Stress entlädt, dem er zu lange gehalten hat.
  • Schlafstörungen & Unruhe
    Wenn Angst und Unsicherheit im Nervensystem gespeichert sind, fällt das „Herunterfahren“ schwer. Die Kombination aus Angst, Schlafstörungen und innerer Unruhe ist ein Warnsignal des Körpers bei dem die emotionale Kontrolle oft durch Schlafmangel überaktiviert wird.
  • Zittern, Herzrasen oder Erröten
    Sie verspüren Furcht vor negativer Bewertung, Ablehnung oder peinlichem Verhalten? Das kann ein Echo alter Erfahrungen sein, in der Sie sich bloßgestellt oder abgelehnt gefühlt haben. Gespeicherte Angst wirkt wie ein Schatten in der Gegenwart.
  • Dauerhafte Muskelanspannung im Nacken, Kiefer oder in den Schultern
    Angst macht wachsam, aktiviert das vegetative Nervensystem und führt zu einer reflexartigen Muskelanspannung ( Kampf- oder Fluchtreaktion). Halten die Ängste an, kann der Muskeltonus permanent erhöht bleiben und schmerzhafte Verspannungen zur Folge haben. Körperregionen die sie „zusammenhalten“, sind oft überlastet, wenn sie zu lange „funktionieren“ mussten.
  • Schwindel/ Gefühl „ Nicht ganz da zu sein“
    Dissoziation ( Loslösung von der Realität), Leeregefühle oder Schwindel sind Schutzmechanismen – kein Versagen. Ihr Bewusstsein schützt Sie, in dem es den Körper zeitweise „verlässt“.
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Behandlungsimpulse

Sie sind nicht „überempfindlich“- Ihr Körper erinnert sich an etwas, das zu viel war.
Gespeicherte Angst ist ein Ruf nach Sicherheit, nicht nach Kontrolle. Heilung beginnt, wenn Sie nicht länger gegen Ihren Körper kämpfen- sondern zuhören.

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Basis für den Behandlungserfolg:

Damit eine erfolgreiche Behandlung Ihrer Angststörung gewährleistet ist, betrachte ich die einzelnen Störungsursachen und deren Zusammenspiel ganz genau. Die intensive Analyse liefert uns Ansatzpunkte für die Angsttherapie. Zum Vorschein kommen dabei oft wichtige Hintergründe der Angst, die zur Entwicklung und Aufrechterhaltung der Angststörung beitragen.

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Behandlungs-möglichkeiten bei Angststörungen

Kognitive Umstrukturierung

Sie lernen, automatische und verzerrte Denkmuster – beispielsweise Katastrophisieren, das häufig in belastenden Gedankenschleifen endet – frühzeitig zu erkennen, zu hinterfragen und durch realistischere, lösungsorientierte Gedanken zu ersetzen.

Zur akuten Linderung oder begleitend zur Therapie können Antidepressiva wie SSRI oder SNRI eingesetzt werden. Sie haben kein klassisches Abhängigkeitspotenzial. Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine werden aufgrund ihres Abhängigkeitspotenzials hingegen in der Regel nur kurzfristig und gezielt eingesetzt.